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Energieeffizienz – Energiedaten richtig erfassen

Energieeffizienz – Energiedaten richtig erfassen

Bevor Unternehmen kostenschwere Fehlinvestition tätigen, sollten die wirklichen Anforderungen definiert werden. Aufgrund der in den letzten Jahren gestiegenen Energiekosten und der Entwicklungen im Energierecht ist das Thema Energieeffizienz in vielen Unternehmen in den Fokus gerückt.

Die Kernfrage in diesem Zusammenhang ist und bleibt: Wie erreicht man die Steigerung der Energieeffizienz? Häufige Antwort: „Messtechnik, Server sowie Software kaufen und vielleicht noch eine Schnittstelle zur Betriebsdatenerfassung zum bereits bestehenden SAP-System entwickeln lassen – gegebenenfalls mit den Möglichkeiten des Spitzenlastmanagements.“ Diese bewusst überspitzt formulierte Vorgehensweise kostet 250.000 € und hat im ersten Schritt keine Einsparung generiert. Als alternative Vorgehensweise empfiehlt es sich zunächst Transparenz in den Energieverbrauch zu bringen. Aber wie?

Bezugsstrukturanalyse

Eine richtig durchgeführte Bezugsstrukturanalyse auf Basis der Daten des Versorgers gibt viele Hinweise auf den Energieverbrauch, beispielsweise auf den Energieverbrauch in produktionsfreier Zeit. Die Größenordnung ist im Unternehmen selten bekannt und oft sind Einsparungen relativ einfach erreichbar. Eine genaue Betrachtung der Lastspitzen ist der nächste Aspekt. Gibt es sie wirklich und wie häufig bzw. wie relevant sind diese aus wirtschaftlicher Sicht? Die wirtschaftliche Sichtweise darf nicht nur die Kostenseite in der Stromrechnung berücksichtigen, sondern muss auch die Auswirkungen auf die Produktion betrachten.
Will sich das Unternehmen Lastspitzen leisten, die z.B. nur 10.000 € Stromkosten im Jahr ausmachen und dafür „ungestört“ produzieren? Dann müssen auch keine 100.000 € für ein Spitzenlastmanagementsystem ausgegeben werden. Natürlich ist es sinnvoll, Lastspitzen zu vermeiden. Dies funktioniert oft über Ursachenanalyse mit entsprechenden Maßnahmen.

Energieverbrauchsverteilung

Welche Anlagen sind die Top-Verbraucher? Eine ABC-Klassifizierung der Verbraucher soll die größten Energieverbraucher – belastbar und nicht geschätzt – identifizieren und hilft bei der Konzentration auf das Wesentliche. Nun liegen die zehn oder 15 größten Verbraucher im Unternehmen klar auf der Hand, die wahrscheinlich 60 bis 70% des Gesamtenergieverbrauchs ausmachen.
Das erste Zwischenziel ist erreicht, wenn die Hauptenergieverbraucher identifiziert sind, z.B. im Rahmen einer Messkampagne mit mobilen Messgeräten für wenige tausend Euro. Diese TOP-Verbraucher sollten nun genauer hinsichtlich der Einsparpotenziale analysiert werden.

Weitere Vorgehensweise

An diesem Punkt liegen die wesentlichen Informationen vor, um die eigenen Anforderungen an die erforderliche und sinnvolle Energiedatenerfassung zu formulieren:
1. Für welche Anlagen soll die Energiedatenerfassung aufgebaut werden?
2. Ist Energiedatenmonitoring hinreichend oder benötige ich tatsächlich auch Komponenten zur Prozesssteuerung?
3. Welche Daten werden in welcher Darstellungsform benötigt?

Zu 1: Systeme zum Energiedatenmonitoring sollten die tatsächlichen Haupt-energieverbraucher umfassen, nicht die vermeintlichen. Häufig gibt es neben den Hauptverdächtigen in Sachen Energieverbrauch auch Anlagen, die bislang unterschätzt wurden. Daraus ergibt sich die Sinnhaftigkeit der Ermittlung einer Energieverbrauchsverteilung vor flächendeckender Einführung einer Energiedatenerfassung.

Zu 2: Das Energiedatenmonitoring soll dazu beitragen, den Energieverbrauch der Hauptverbraucher „im Griff“ zu behalten und Informationen zu beschaffen, die zu Energieeinsparmaßnahmen führen. Ein Spitzenlastmanagement ist eine weit darüber hinausgehende Forderung, die den technischen Aufwand deutlich erhöht. Daher sollte genau geprüft werden, ob ein Spitzenlastmanagement sinnvoll ist.

Zu 3: Viele Systeme auf dem Markt liefern eine unglaubliche Masse an Daten und es bedarf weiterer Aktivitäten, um die Daten aufzubereiten. Je nach technischer Konstellation müssen die Daten aufwendig über Schnittstellen in die Standardsoftware geschoben, um dann in Grafiken aufbereitet zu werden. Besser ist die Nutzung eines Systems, das bereits nutzbare Reports zur Verfügung stellt, denn – und das sei zusammenfassend an dieser Stelle betont – das Energiedatenerfassungssystem soll nicht dazu dienen, Massendaten zu erzeugen, sondern Einsparpotenziale zu erkennen.

Über den Autor


Dipl.-Wirtsch.-Ing. Jens Schmidt ist Geschäftsführer der Saller GmbH. Er hat 15 Jahre Berufserfahrung in Prozess- und Ressourceneffizienzprojekten, Beratung bei der Einführung von Energie- und Umweltmanagementsystemen, Ausbildung von Energiemanagementbeauftragten und Energieauditoren
www.drsaller.com

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