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Bonitätsprüfung: Die Ratingnote ist entscheidend

Bonitätsprüfung: Die Ratingnote ist entscheidend

Kreditgebende Banken prüfen die Bonität ihrer Firmenkunden mithilfe eines Ratingverfahrens. Damit Unternehmen ihre Verhandlungsposition realistisch einschätzen können, sollten sie die Ratingnote und deren Bedeutung für die weitere Kreditvergabebereitschaft ihrer Bank kennen. Gefährlich wird es, wenn die Ratingnote des Unternehmens im „Graubereich“ liegt.

Die Prüfung der Bonität ist eine Auflage der Bankenaufsichtsbehörde – diese spricht von „Risikoklassifizierung“. Grundlage eines Ratings sind die vom Unternehmen gegebenen Informationen aus Jahresabschluss, Betriebswirtschaftlicher Auswertung, Gesprächen und Kontoführung.

Nach einer alten Bankweisheit gibt es drei Arten von Krediten:

  1. Solche, die man machen muss (weil die Bonität zweifelsfrei ist).
  2. Solche, die man nicht machen darf (weil die Bonität nicht mehr gegeben ist).
  3. Solche, die man machen kann, weil die Bonität in einer Mittellage ist und es sehr auf die individuelle Einschätzung der Bank ankommt, ob sie „ja“ oder „nein“ sagt.

Die dritte Art ist für Bank wie Unternehmen die schwierigste: Die Bank weiß, dass aus Krediten der dritten Art in Zukunft Risikokosten für die bankeigene Gewinn- und Verlustrechnung (Abschreibungsbedarf) entstehen werden, weil Unternehmen in die Krise geraten werden. Das Problem der Bank besteht demnach darin, dass sie heute noch nicht weiß, welche Unternehmer aus dieser Kategorie es in zwei, drei oder fünf Jahren sein werden.

Das Unternehmen wundert sich dann eventuell über die zögerliche Behandlung seines Kreditwunsches, die weitere Nachforderung von Unterlagen, die Frage nach noch mehr Sicherheiten und den hohen Zinssatz, den die Bank anspricht.

Die eigene Ratingnote und ihre Bedeutung

An dieser Stelle wäre es für das Unternehmen natürlich hilfreich, es wüsste schon im Vorfeld einer Kreditanfrage, wie sein Rating zuletzt ausgefallen ist und was dieses Ratingergebnis für die weitere Kreditbereitschaft seiner Bank bedeutet.

Dafür muss das Unternehmen zwei Fragen beantwortet bekommen:

  1. Die Frage nach der Ratingnote der Bank.

Diese Frage kann nur die Bank beantworten. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass Banken und Sparkassen von sich aus die Ratingnote nennen. Ist es aber leider nicht. Also hilft nur, danach zu fragen. Auch darauf antworten nicht alle Kreditinstitute sofort. Aber beharrliches Nachfragen sollte Erfolg haben.

  1. Die Frage, welche Bedeutung diese Ratingnote für die Bereitschaft der Bank hat, Kredite zu verlängern und/oder weitere neue Kredite zu geben?

Diese Frage brauchen Unternehmen ihrer Bank ab sofort nicht mehr zu stellen (viele Institute reagieren auf diese Frage noch zurückhaltender als auf die nach der Ratingnote), denn es gibt jetzt eine Vergleichsübersicht des Verbandes „Die KMU-Berater – Bundesverband freier Berater e.V.“

Diesen „Vergleich der Notensysteme der Ratingverfahren der deutschen Kreditinstitute für Unternehmen“ können alle Unternehmen kostenlos unter www.ratingnoten.kmu-berater.de herunterladen.

Unternehmen finden in dieser Übersicht die Ratingnotensysteme mit einer Einteilung in sieben Stufen. Diese Stufeneinteilung bezieht sich auf die Qualität der Ratingnote und trifft eine Aussage zur weiteren Kreditvergabebereitschaft der Bank. Außerdem gibt es auf jeder Stufe erste Handlungshinweise. Basis für die Stufeneinteilung sind Erfahrungen der Mitglieder der „Fachgruppe Finanzierung-Rating“ des Bundesverbandes „Die KMU-Berater“ aus vielen Beratungen und Bankgesprächen mit ihren Kunden.

Wenn die Ratingnote eines Unternehmens auf Stufe fünf liegt, dann steht die Bank vor der Entscheidung über einen Kredit der dritten Art: Sie kann, aber sie muss ihn nicht machen. Das bedeutet für das Unternehmen, dass es das Kreditgespräch besonders gut vorbereiten und mit vielen kritischen Fragen rechnen muss.

Darstellung der Notensysteme in einer 7er-Skala

Stufe 1: Es handelt sich um „ausgezeichnete“ Ratingnoten. Ihr Unternehmen verfügt über die „höchste Bonität“. Mit diesen Ratingnoten sind Sie für alle Banken als Kunde sehr interessant. Ihre Verhandlungsposition in Kreditgesprächen ist sehr gut. Aufgrund der Unternehmensgröße erreichen KMU diese Stufe so gut wie nie.

Stufe 2: Es handelt sich um „sehr gute“ Ratingnoten. Ihre Bank ist an der Geschäftsbeziehung mit Ihnen stark interessiert. Mit diesen Ratingnoten sind Sie auch als Kunde für andere Banken sehr interessant. Ihre Verhandlungsposition ist ebenfalls sehr gut.

Stufe 3: Es handelt sich um „gute“ Ratingnoten. Ihre Bank ist an der Geschäftsbeziehung mit Ihnen interessiert. Sie können mit guten Konditionen rechnen und werden als Verhandlungspartner akzeptiert. Mit diesen Ratingnoten sind Sie auch als Kunde für andere Banken interessant. Aber vermutlich werden Sie z.B. mehr Sicherheiten anbieten müssen als noch auf Stufe 2.

Sie befinden sich im positiven Bewertungsbereich „Investment Grade“ der internationalen Ratingagenturen. Ihre Verhandlungsposition ist erfolgversprechend. Suchen Sie im Unternehmen und in der Finanzierung trotzdem bzw. weiterhin nach Verbesserungspotenzialen und nutzen Sie diese.

Stufe 4: Es handelt sich um „befriedigende“ Ratingnoten. Banken sind an der Geschäftsbeziehung mit Ihnen, insbesondere für Teilbereiche, interessiert. Sie befinden sich aber bereits im Bewertungsbereich „Non-Investment-Grade“ bzw. „Speculative Grade“ der internationalen Agenturen. Die Anforderungen der Kreditinstitute an Unterlagen (z.B. unterjährige Erfolgsnachweise mittels Betriebswirtschaftlicher Auswertungen – BWA) und Sicherheiten sind bereits deutlich höher. Ihre Verhandlungsposition ist durchaus noch befriedigend. Sie sollten sich Ihre Finanzierungssituation und Unternehmensstrukturen spätestens jetzt genau anschauen und nachhaltig Verbesserungspotenziale erarbeiten und konsequent nutzen.

Stufe 5: Auf der Stufe 5 befinden Sie sich im „Graubereich“ der Ratingskalen. Für einige Banken sind dies „noch ausreichende“, für andere bereits „kritische“ Einordnungen. Sie stehen in jedem Fall einer Bank mit einem sehr prüfenden Blick auf Ihr Unternehmen gegenüber. Dies wird sich darin äußern, dass sich die Bank ihr deutlich höheres Risiko über den Zinssatz bezahlen lassen und auf eine möglichst weitgehende Besicherung bereits bestehender und vor allem neuer Kredite drängen wird. Ihre Verhandlungsposition ist eher eingeschränkt. Sie laufen Gefahr, dass Ihre Bank Krediterhöhungen nicht mehr unbedingt mittragen wird.

Auf der Stufe 5 wird Ihr Unternehmen bei manchen Kreditinstituten bereits zu den Risikoengagements gezählt. Sprechen Sie mit Ihrer Bank offen darüber, welche Voraussetzungen aus deren Sicht für die weitere Finanzierung erfüllt sein sollten. Nutzen Sie gegebenenfalls externe Unterstützung, um Verbesserungspotenziale im Unternehmen und in der Finanzierung zu erkennen und gezielt umzusetzen. Dabei kann im Einzelfall auch ein „Sanierungskonzept“ hilfreich sein.

Stufe 6: Es handelt sich um eine „ungenügende“ Ratingstufe. Die Bank hält Ihr Kreditausfallrisiko für sehr groß und bezieht die Möglichkeit einer Insolvenz Ihres Unternehmens in ihre Überlegungen mit ein. Sie stehen einer äußerst skeptischen Bank gegenüber. In der Regel werden Sie bereits von der Abteilung „Intensivbetreuung“ oder „Sanierungsengagements“ betreut. Ihre Bank wird bemüht sein, die bestehenden Kreditlinien zu reduzieren und gleichzeitig zusätzliche Sicherheiten fordern. Neue Kredite werden Sie ggf. noch als Sanierungskredit erhalten. Als Grundlage dafür wird Ihre Bank erfahrungsgemäß ein Sanierungskonzept oder -gutachten verlangen.

Ergreifen sie Sofortmaßnahmen zur Verbesserung Ihrer Situation, solange die Bank die Kredite noch nicht gekündigt hat. Nutzen Sie gezielt externe Unterstützung in dieser unternehmerischen Ausnahmesituation.

Stufe 7: Ihr Unternehmen ist für Ihre Bank ein Sanierungsengagement. Die Bank wird je nach Bewertung des von Ihnen vorgelegten Sanierungskonzepts entscheiden, ob sie die Sanierung für erfolgversprechend ansieht und begleiten wird oder Ihnen die Kredite kündigt.

 

Carl-Dietrich Sander
UnternehmerBerater, Neuss
www.cd-sander.de
Der Autor ist Leiter der Fachgruppe Finanzierung-Rating im Bundesverband Die KMU-Berater
(www.finanzierung.kmu-berater.de)

 

 

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