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Betriebliche Altersversorgung im Unternehmen: Black Box oder Schatzkiste?
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Betriebliche Altersversorgung im Unternehmen: Black Box oder Schatzkiste?

Dass die betriebliche Altersversorgung (bAV) zahlreiche Vorteile bietet, ist hinlänglich bekannt. Hohe Rentabilität durch Steuer- und Sozialabgabenersparnis sowie mögliche Arbeitgeberbeiträge machen die bAV für Arbeitnehmer attraktiv. Arbeitgeber indes beweisen mit der bAV soziale Verantwortung und investieren in die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter.

Sowohl Arbeitgeber als auch Vermittler erwecken jedoch oftmals den Eindruck, als wäre dieses Thema in erster Linie eines des Arbeitnehmers. Sie begründen ihr dahingehend defensives Auftreten gern damit, dass sie ihren Angestellten keine Vorschriften machen möchten. Diese sollten flexibel in ihren Entscheidungen bleiben. Dabei ist die bAV de facto keine (Direkt-)Versicherung, sondern vielmehr eine Tangente des Arbeitsrechts. Die folgenden Punkte machen deutlich, dass generell hoher Aufklärungsbedarf besteht – und dass das Thema bAV insbesondere aus Arbeitgebersicht genauso professionell gehandhabt werden sollte, wie das eigene Gewerk.

Zusagearten
Grundsätzlich existieren zwei Zusagearten: Beitragsorientierte Leistungszusage (BOLZ) und Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML). Wo liegen die jeweiligen Vorteile? Was geschieht bei einem Ausscheiden des Arbeitnehmers? Wann kann man als Arbeitgeber in eine Nachschusspflicht geraten?

Fürsorgepflicht
Fakt ist: Der Arbeitgeber haftet für die Wahl des Anbieters, dessen Leistungsstärke, das Produkt und dessen Kostenstruktur. Sollte der Arbeitnehmer also allein entscheiden, wo er die bAV zeichnet? Kann er die Qualität des Produkts oder die Finanzstärke des Anbieters wirklich beurteilen? Und ist es wirklich arbeitnehmerfreundlich, ihn mit dieser Entscheidung allein zu lassen?

Biometrische Risiken
Hier stellen sich drei wesentliche Fragen:

Werden Berufsunfähigkeitsrenten in der bAV im Unternehmen zugelassen? Für integrierte Berufsunfähigkeitsrenten, die im Leistungsfall vom Versicherer nicht erbracht werden, kann der Arbeitgeber nämlich einstandspflichtig sein.

Sind die Vereinbarungen für die Hinterbliebenenversorgung konform mit der aktuellen Rechtsprechung? Und werden Änderungen des Bezugsrechts (durch Wiederheirat oder Wechsel des Lebensgefährten) dokumentiert?

Aus welchem Wert wird die Hinterbliebenenversorgung gebildet? Aus den Summen der noch ausstehenden garantierten Renten oder aus der Summe der Renten inkl. Gewinne?

Arbeitgeberbeiträge
Werden Arbeitgeberbeiträge gezahlt? Und wie lassen sich mögliche Unterschiede bei den jeweiligen Arbeitnehmern sachlich begründen bzw. abgrenzen?

Info- und Dokumentationspflichten
Wie kommt der Arbeitgeber seiner Informationspflicht nach? Wird die bAV jeweils über die unterschiedlichen Formulare der Versicherer oder über einheitliche arbeitsrechtliche Dokumente dokumentiert?

Kollektivvertrag
Ein Kollektivvertrag mit dem Versicherer bietet gegenüber Einzelverträgen u.a. den Vorteil, dass er eine angemessene Rabattierung der Verträge gewährleistet, somit die Leistungen für den Arbeitnehmer erhöht – und die bAV nicht zu einer Provisionsmaschinerie für den Vermittler wird. Auch hält dieser den Verwaltungsaufwand gering, sofern man sich auf nur einen, maximal zwei bAV-Anbieter beschränkt – Haftungsminimierung des Arbeitgebers inklusive.

Versorgungsordnung
Das Risiko möglicher Schadenersatzansprüche kann seitens des Arbeitgebers durch die Implementierung einer sogenannten Versorgungsordnung reduziert werden. Deren Einrichtung ist ausschließlich den rechtsberatenden Berufen vorbehalten. Falls nach diesem Auszug der erste Eindruck entstanden ist, die bAV wäre ein kompliziertes Instrument der Altersvorsorge, so lässt sich ganz klar sagen: Das Gegenteil ist der Fall. Wenn von Beginn an die o.g. Punkte beachtet werden, ist alles Weitere quasi ein Selbstläufer. Um also die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Mit professioneller Beratung wird aus der Black Box „Betriebliche Altersvorsorge“ schnell eine Schatzkiste.

Stefan Kemmler
Geschäftsführer, Finanzplaner, Köln
www.rheinplan.finance

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