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Unternehmen, die nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften bilanzieren, mussten sich der Zinsproblematik bereits stellen. Mittelständler, die meist nach HGB bilanzieren, werden den Zinseinbruch in ihren Pensionsrückstellungen jetzt sukzessive nachbilden. Grund dafür sind die im Handelsrecht vorgesehenen Glättungsmechanismen.

Vielen Unternehmen droht in den nächsten Jahren aufgrund der Glättungsmechanismen eine Verdopplung des Pensionsaufwands. Dieser ist in voller Höhe in der jeweiligen Periode zu erfassen. Das führt nicht nur zu einer Verminderung des Ausschüttungspotenzials, auch ein Abrutschen in die Verlustzone bis hin zur Überschuldung sind mögliche Szenarien. Damit stellt sich die Frage, wie der Mittelstand mit seiner betrieblichen Altersversorgung (bAV) umgehen sollte.

Betroffen sind vor allem Pensionsverpflichtungen, die als Direktzusage finanziert sind. Sie sind auch bei mittelständischen Unternehmen verbreitet, in vielen Fällen als Zusage an die (Gesellschafter-) Geschäftsführer und in Form von Pensionsplänen, die vor vielen Jahren für neue Mitarbeiter geschlossen wurden. Direktzusagen werden durch Bildung von Pensionsrückstellungen intern finanziert und teilweise mit entsprechend gebundenen Vermögenswerten als Cash-Vorsorge hinterlegt.

Soweit Unternehmen ihre Verpflichtungen am Kapitalmarkt finanziert haben, mindert eine längere Niedrigzinsphase die Anlageerträge und kann langfristig zu Nachfinanzierungsaufwand führen. Mittelständler kennen die Situation, wenn zur Finanzierung der Verpflichtungen abgeschlossene Rückdeckungsversicherungen die im Finanzierungsplan einkalkulierte Renditeerwartung nicht erfüllen.

Beitragsorientierte Leistungszusage im Mittelstand
Mit Blick auf die ausgesprochene Langfristigkeit der Pensionsverbindlichkeiten müssen Schwankungen im Pensionsvermögen (Ausfinanzierungsgrad) üblicherweise nicht unmittelbar ausgeglichen werden. Auch ist zu berücksichtigen, dass sich die Verpflichtung im Sinne der zu erwartenden Rentenzahlungen für das Unternehmen nicht geändert hat. Bei unterstellt gleich bleibender Ertragslage und vollständiger Innenfinanzierung hat die Niedrigzinsphase keine direkte Auswirkung auf die wirtschaftliche Belastung des Unternehmens. Für den Fall, dass das Zinstief die Ertragskraft des Unternehmens schmälert, ist der erhöhte Pensionsaufwand tatsächlich eine zusätzliche Belastung.
Im Mittelstand vorherrschend sind jedoch beitragsorientierte Leistungszusagen, die extern über den Kapitalmarkt (zum Beispiel eine Direktversicherung oder eine Rückdeckungsversicherung) finanziert werden. Nach einer Studie von Towers Watson erteilen fast 90% der Unternehmen aktuell beitragsorientierte Leistungszusagen, von denen sich 75% am Kapitalmarkt orientieren. Diese sind von der Niedrigzinsphase nicht unmittelbar betroffen, zumindest wenn ausschließlich garantierte Leistungen zugesagt sind.

Anpassungsstrategien entwickeln
Hausaufgabe der Unternehmen ist es, die Wirkungsweise der betrieblichen Versorgungszusagen zu kennen und auf Veränderungen rechtzeitig zu reagieren. Dazu gehört die regelmäßige Überprüfung der betrieblichen Versorgungswerke. Sie beinhaltet eine Analyse der Auswirkungen aus geänderten wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen ebenso wie die Quantifizierung der langfristigen Belastungen und etwaiger Risiken. Ergänzend sollte der Beitrag der bestehenden bAV zu den wirtschaftlichen und personalpolitischen Unternehmenszielen einbezogen werden. Darauf aufbauend kann eine zielgerichtete Anpassungsstrategie entwickelt werden. In vielen mittelständischen Unternehmen prägen noch Verpflichtungen aus hochwertigen Altzusagen das Volumen der Pensionsrückstellungen. Vor allem für sie gilt, ihre Hausaufgaben zu machen. 

heiko gradelhardt

Heiko Gradehandt
Director und Mittelstandexperte bAV bei Towers Watson

Unternehmen
Mit rund 16.000 Mitarbeitern gehört Towers Watson zu den weltweit führenden Unternehmensberatungen. Wir bieten Lösungen in den Bereichen betriebliche Altersversorgung und Nebenleistungen, Personal- und Vergütungsmanagement sowie Risiko- und Finanzmanagement.

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