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Augen auf beim Börsengang – Was es für ein Unternehmen zu beachten gilt
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Augen auf beim Börsengang – Was es für ein Unternehmen zu beachten gilt

Das Investieren in Unternehmensaktien kann eine sinnvolle Möglichkeit zur Geldanlage sein, keine Frage. Doch wie läuft so ein Börsengang überhaupt ab? Welche Chancen und Risiken gibt es dabei und was gilt es für das Unternehmen zu beachten, wenn es den Sprung an den Kapitalmarkt wagt?

Ablauf des Börsengangs

Es handelt sich beim Gang an die Börse um ein weit angelegtes und langfristiges Unterfangen, das in mehrere Schritte aufgeteilt ist. Dieser Prozess ist aufwändig und langwierig, sodass es nicht selten vorkommt, dass Unternehmen am Börsengang scheitern, wie es bei  der Varta AG der Fall war. Der Batteriehersteller hat erst im Jahr 2016 einen neuen – diesmal erfolgreichen – Anlauf nehmen müssen.

Um nicht zu ausschweifend zu werden, möchten wir den Ablauf kurz in neun Schritten zusammenfassen:

  1. Auswahl der geeigneten Konsortialbanken
  2. Änderung der Rechtsform in eine für den Börsengang geeignete Form (AG, SE, KGaG u.s.w.)
  3. Aufwändige und detaillierte Unternehmensanalyse
  4. Entscheidung für einen geeigneten Börsenplatz und Herausstellung der Barrieren für den Eintritt
  5. Kommunikation über den Börsengang
  6. Umfangreiche Marketingmaßnahmen, Roadshows und so weiter
  7. Definition und Festlegung des Eintrittspreises beziehungsweise der Preisspanne
  8. Zeichnung
  9. Listing und Settlement

Wichtig ist darüber hinaus, dass bei der Auswahl der Marktsegmente in Deutschland lediglich zwei regulierte Marktsegmente zur Listung von AGs existieren:

  • Der regulierte Markt
  • Der Freiverkehr

Der Unterschied liegt in den Anforderungen an die Transparenz. Damit ist ein unterschiedliches Ausmaß an Kosten und Aufwand verbunden, den das Unternehmen betreiben muss, um die notwendige Informationsqualität für die Anleger bereitzustellen. Hierzu legt das Unternehmen einen Standard fest, der letztendlich auch für den Erfolg des Börsengangs mit verantwortlich ist. Es wird dabei zwischen folgenden Standards unterschieden, für die jeweils unterschiedliche Anforderungen erfüllt werden müssen:

  • Prime Standard (Regulierter Markt)
  • General Standard (Regulierter Markt)
  • Entry Standard (Freiverkehr – geringster Transparenzlevel)

Anleger können nach dem erfolgreichen Börsengang bei einem Broker ihres Vertrauens Anteile am Unternehmen kaufen und damit zum Shareholder werden. Damit sich Investoren zum Kauf der Anteile entscheiden, ist neben dem Erfolg des Unternehmens selbst eine offene Kommunikationspolitik von entscheidender Bedeutung. Ebenso wie man als Anleger seinen Broker nach Vertrauenswürdigkeit, Zuverlässigkeit und Transparenz auswählt, so setzen sich auch die Wertansätze des Unternehmens entscheidend aus denselben Faktoren zusammen. Um darüber hinaus als Anleger selbst eine umfangreiche Risikoabwägung vor einem Anteilskauf vornehmen zu können, müssen potenzielle Käufer über die Abläufe im Unternehmen informiert sein.

Bedeutung des Börsengangs

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Der Börsengang an sich wird auch mit IPO oder mit dem englischen Term Going Public bezeichnet. Damit ist der Verkauf von Aktien eines Unternehmens über die Wertpapierbörse gemeint. Im Gegensatz zum Börsengang kann ein Unternehmen auch über die Innenfinanzierung das Eigenkapital erhöhen, indem Gewinne einbehalten werden. Diese Vorgehensweise ist jedoch langfristig angelegt und setzt voraus, dass auch entsprechend hohe Gewinne erwirtschaftet werden. Wenn die Finanzierung durch Einbehaltung nicht in Frage kommt, kann eine Außenfinanzierung in Frage kommen, zu der auch der Börsengang gehört. Dabei hängt der Ausgabepreis einer Aktie – also eines Unternehmensanteils – vom Wert des Unternehmens, aber auch von der allgemeinen Stimmung an der Börse ab. Das Unternehmen selbst gewinnt und verliert also an Wert, abhängig von Angebot, Nachfrage und allgemeiner Wirtschaftslage. Man sollte vor Börsengang oder Investitionen in andere Unternehmen Erfahrung im Finanzhandel sammeln, wie man es z.B mit Hilfe von Brokern für den Forex-Handel tun kann. Vor allem Anfängern ist hier zu empfehlen, sich im Vorfeld über vertrauenswürdige Broker und deren Angebote zu informieren. Die Börsenentwicklung von Unternehmen ist durchaus vergleichbar mit dem Wertverlust oder -gewinn von Währungen, welche ebenfalls mit der Entwicklung der entsprechenden Wirtschaftsunionen einhergehen. Beim Forex-Handel investiert man eben in diese Wertschwankungen und die entsprechenden Wechselkurse (daher auch ForexForeign Exchange).

Gründe für den Börsengang

Üblicherweise dient ein Börsengang dem Ziel der Kapitalbeschaffung zur Sicherung des weiteren Wachstums. Da Aktien meist zu einem vorher definierten Festpreis angeboten werden, der unter dem proklamierten Unternehmenswert liegt, wird ein Anreiz für die Anleger geschaffen, die Anteile am Unternehmen letztendlich auch zu kaufen.

Durch den Anteilsverkauf wird das Eigenkapital des Unternehmens erhöht, wobei die Mittelverwendung unterschiedlich sein kann. Üblicherweise werden die Mittel zur Wachstumsfinanzierung und die Verbesserung der Kapitalstruktur verwendet. Es kann daher ein legitimes Mittel sein, eine GmbH in eine AG umzuwandeln, wenn eine Erhöhung des Eigenkapitals geplant ist. Allerdings kann auch die Verringerung der Fremdkapitalkosten ein entscheidender Faktor bei dem Entschluss zum Börsengang darstellen. Denn dies verbessert auf Dauer die Bonität und kann helfen, gesetzlich geregelte Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen.

Des Weiteren können auch die Eigner selbst zum Börsengang motiviert sein, um die eigenen Unternehmensanteile zu einem besseren Kurs zu veräußern, als es bei einem nicht an der Börse notierten Unternehmen der Fall wäre. So lassen sich renditeträchtige Unternehmensabspaltungen (Spin-Offs) realisieren oder auch ein Exit der Eigner erreichen.

Argumente gegen einen Börsengang

Der enorm hohe Aufwand, der mit einem Börsengang verbunden ist, steht den Vorteilen gegenüber. Alleine die Entscheidungs- und Vorbereitungsphase ist sehr umfangreich, denn es sind zahlreiche Analysen erforderlich und es müssen Emissionsbanken ausgewählt werden. Auch die Kosten für steuerliche und juristische Beratung sind an dieser Stelle nicht zu unterschätzen. Die Gesamtkosten des Börsengangs allein lassen sich auf 2% – 10% des Emissionsvolumens beziffern, ein durchaus beachtlicher Wert. Eine detaillierte Schätzung der einzelnen Kosten des Börsengangs ist ein sinnvolles Instrument, um sich vorab ein Bild davon zu machen, was letztlich an Kosten entstehen kann.

Neben den Kosten und dem Aufwand gibt es auch entscheidende strategische Nachteile, die mit dem Börsengang einhergehen – denn letztendlich gehört ein börsennotiertes Unternehmen den Aktionären. Dadurch verringert sich die Macht der Unternehmensführung, beziehungsweise der Eigner. Wollen die Aktionäre beispielsweise lieber kurzfristige Dividenden, anstatt den Gewinn wieder zu investieren und langfristig angelegte strategische Maßnahmen oder Investitionen in Forschung und Entwicklung zu realisieren, kann dies einen enormen Einfluss auf die allgemeine Entwicklung des Unternehmens haben.

Des Weiteren ist die Publizitäts- und Informationspflicht nicht zu unterschätzen, die ebenfalls deutlich höhere laufende Kosten mit sich bringt. Zudem ermöglicht sie teilweise kritische Einblicke in die Unternehmensstrukturen und hinter Türen, die ohne Börsengang für Mitbewerber verschlossen bleiben können.

Alternativen zum Börsengang

Insbesondere junge Unternehmen schrecken vor dem enormen Aufwand zurück, der mit dem Gang aufs Börsenparkett einhergeht.

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Benötigt ein Unternehmer Kapital, möchte sich aber weder von Investoren noch von Aktionären oder Banken in die Arbeit hineinreden lassen, ist auch eine Anleihe am Kapitalmarkt eine sinnvolle Methode zur Kapitalbeschaffung. Insbesondere in Zeiten niedriger Zinsen, in denen Anleger verzweifelt nach interessanten Anlagemöglichkeiten suchen und liquide sind, kann es sinnvoll sein, Anleihen zu platzieren. Zwar sind auch diese Anleihemissionen mit einem gewissen Aufwand verbunden, erfordern ein bestimmtes Maß an Transparenz und müssen zudem sorgfältig vorbereitet werden, der Aufwand kann sich aber lohnen.

Eine weitere Möglichkeit für Unternehmen mit einem guten Rating ist die Emission eines Schuldscheindarlehens. Dies geht deutlich schneller, allerdings ist der Erfolg hier sehr stark vom Rating des Unternehmens abhängig.  Letztendlich liegt die Entscheidung, welches Mittel zur Kapitalbeschaffung am geeignetsten ist, natürlich beim Unternehmer selbst. Unsichere Unternehmen bedienen sich daher renommierter Berater.

Derzeit wagen immer weniger Unternehmen den Gang an die Börse, wie die FAZ berichtete. So war die Zahl der Börsendebuts 2016 mit 105 Unternehmen auf einem Rekordtief. Wie sich dies zukünftig entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass sich die Unternehmen immer mehr Zeit lassen, bevor sie den Sprung an den Wertpapiermarkt wagen.

 

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