Stress: Jeder Vierte Berufstätige leidet
Die Experten sehen in der Informationsüberflutung durch neue Kommunikationstechnologien eine der Ursachen. Gewalt und Mobbing sind weitere Gründe. Die Entwicklung ist fatal. Die Kosten steigen, die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten sinkt und die persönliche Lebensbalance der Mitarbeiter gerät aus dem Gleichgewicht. Körperreaktionen bei Stress Eigentlich ist Stress eine überlebensnotwendige Reaktion des Körpers aus der Urzeit. Er befähigte den Körper in kritischen Situationen zu kämpfen oder zu flüchten und versorgte ihn zu diesem Zweck mit schneller Energie. Diese Reaktionsfähigkeit hat bis heute überdauert, nur sind es keine Bären oder Wölfe mehr, die unseren Stress auslösen, sondern Ärgernisse in den Bereichen Arbeit, Familie, Prüfung, Beziehung etc. Termindruck, schwierige Kollegen, strenge Vorgesetzte bringen den Körper dazu, vermehrt Adrenalin, Noradrenalin, Testosteron und Cortisol auszuschütten, die typischen Stresshormone. Über die Blutbahn erreichen sie alle Organe und Körperzellen, beschleunigen den Herzschlag und die Atemfrequenz. Die Spannung in Bein-, Arm- und Rückenmuskulatur erhöht sich und es kommt zu stärkerer Schweißbildung. Was uns tatsächlich chronisch krank macht, sind nicht unbedingt die tiefgreifenden Ereignisse, sondern eher die täglichen kleinen Ärgernisse wie z. B. Streitigkeiten im Büro oder zwischen Nachbarn, aber auch Lärm, Reizüberflutung, Ängste oder Frustrationen. Die dauernde Ausschüttung von Adrenalin schwächt die Abwehrkräfte und erleichtert Infektionskrankheiten den Weg. Spannungskopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Bluthochdruck und chronische Schmerzen sind typische Folgesymptome von Dauerstress. Oftmals bildet sich ein Teufelskreis: Aus Dauerstress entwickeln sich Ängste und Depressionen, die wiederum den Stress verstärken. Die Empfindlichkeit, mit der Menschen auf Stressursachen reagieren, ist sehr unterschiedlich. Während für den einen zwei Termine pro Woche schon für Herzrasen sorgen, benötigt der andere Fallschirmspringen, um den Kick einer Herausforderung zu spüren. Die hier genannten Folgen sowie den Stress an sich müssen Sie jedoch nicht hinnehmen. Den Stress selbst bestimmen Stress, Ängsten und depressiven Stimmungen gegenüber fühlen wir uns oft ohnmächtig ausgeliefert und glauben, nichts dagegen tun zu können, weil die Ursachen von außen kommen. Machen Sie sich aber deutlich, dass diese Gefühle nur in Ihnen entstehen und Sie darauf reagieren. Sie produzieren Ihre Wut, Angst und Stress selbst, weil dies subjektive Empfindungen sind, die durch unsere eigenen Bewertungen einer jeweiligen Situation entstehen. Um Stress abzubauen, geht es zunächst darum, negative Wahrnehmungen zu verändern, mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln und Situationen neu zu bewerten. Analysieren Sie zunächst, was genau Ihren persönlichen Stress auslöst. Oftmals entsteht Stress aus Wut und dem Ärger, eine Situation nicht im Griff zu haben. Jeder kennt das Gefühl, innerlich zu kochen, verbunden mit Herzrasen, flacher Atmung, verspannter Atmung und wörtlich gefletschten Zähnen. Sie möchten auf jemand oder etwas einschlagen und genau das ist auch die Reaktion, die produziert werden soll. Natürlich haben wir gelernt, nicht mehr auf andere einzuprügeln, was aber an der Hormonausschüttung bei Wut oder Hass nichts verändert. Die Stresshormone werden im Körper angestaut, schwächen das Immunsystem und verursachen psychosomatische Beschwerden. Versuchen Sie folgende Übungen, um Ihr Hormonchaos wieder in den Griff zu bekommen. Übung 1: Machen Sie es Ihren Vorfahren nach! Lassen Sie Ihre Wut spielerisch heraus und boxen Sie Wut und Hass in die Luft auf das imaginäre Objekt Ihrer Gefühle. Lassen Sie sich von der passenden Musik, die Ihre Aggressivität fördert, dazu begleiten, oder wählen Sie eine Filmmusik, die Ihren Kampf dramaturgisch untermalt. Stellen Sie sich die Zielperson imaginär vor und beschimpfen Sie diese mit allen möglichen Ausdrücken, die Ihnen gerade einfallen. Wenn Sie täglich mehrere Minuten mit diesem Bild arbeiten, werden Sie merken, dass der Hass nachlässt. Sie werden ruhiger, Ihr Herz schlägt wieder normal, die Verkrampfungen lösen sich und die Wahrnehmung verändert sich positiv. Ausdauersportarten wie Laufen und Walking sind nicht ganz so verrückt und lassen sich gut in den Lebensalltag integrieren. Wer schon einmal 20 Kilometer und mehr an einem Stück gelaufen ist, hat mit Stress nicht mehr so viel am Hut. Unsere Vorfahren, die Jäger, sind übrigens auch so viel gelaufen, allerdings nicht freiwillig, sondern zur Nahrungssuche. Übung 2: Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein! Wenn Sie jemand emotional aus dem Gleichgewicht bringt, sollten Sie sich selbst einige Fragen stellen: Wer will Sie verunsichern oder tut dies einfach? Wer aus Ihrem Umfeld flößt Ihnen Angst ein? Fürchten Sie, sich vor anderen Menschen zu blamieren? Wie reagieren Sie, wenn hinter Ihnen getuschelt wird? Was machen Sie bei konstruktiver Kritik an Ihrer Person oder Ihren Fehlern? Wenn Sie einige Fragen mit Ja beantwortet haben oder in solchen Situationen gestresst oder verunsichert reagieren, können Sie versuchen, mit folgendem Bild Ängste abzubauen: Stellen Sie sich vor, Sie erheben sich ähnlich wie ein Hubschrauber in die Luft. Von dort beobachten Sie das aktuelle Szenario distanziert und sehen z. B. den Menschen, der Sie verunsichert. Aus der Hubschrauberperspektive wirkt er wie eine Spielzeugfigur und verliert seinen Schrecken. Aus dieser Distanz heraus durchschauen Sie die Schwächen Ihrer Mitmenschen, können darüber schmunzeln und souverän bleiben. Bei der "Landung" hat sich Ihr Gefühl dem anderen gegenüber verändert und Sie fühlen sich stark. Oft hilft es auch, sich zu vergegenwärtigen, dass Menschen, die uns arrogant, abweisen oder aggressiv begegnen, sich tatsächlich unsicher und klein fühlen und dies überspielen wollen. Lassen Sie sich davon nicht einschüchtern. Übung 3: Übernehmen Sie Verantwortung! Oft machen wir Situationen oder Personen für unseren Stress oder dafür, dass sie unserem Glück im Wege stehen, verantwortlich. Erstellen Sie eine Liste aller Personen und Bedingungen, die Ihrer Ansicht nach an Ihrem Stress schuld sind. Das kann z. B. Ihr Chef sein, der Ihnen nicht die gebührende Anerkennung entgegenbringt. Oder Ihre Kollegin, die statt Ihrer befördert und mit einer Gehaltserhöhung bedacht wurde. Nach dem Schreiben der Liste wird Ihnen wahrscheinlich klar, dass sich ohne Schwierigkeiten immer jemand finden wird, der die Schuld für Ihr Unglück trägt. Dies ändert allerdings nichts an Ihrem Zustand. Möglicherweise erkennen Sie nun, dass die Auflistung dieser "Schuldigen" nun lächerlich ist. Dann können Sie die Liste nehmen und sie verbrennen oder zerreißen. Dieses Ritual verdeutlicht, dass Sie ab sofort bereit sind, die Verantwortung für Ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen. Mit den Übungen erkennen Sie, dass letztlich nur Sie für Ihren Stress, Ihre Ängste oder Verstimmungen verantwortlich sind. Alle Gefühle entstehen in Ihnen selbst und können nur dort verarbeitet bzw. bewältigt werden. Auch wenn diese Einsicht zunächst unangenehm sein mag, so gibt sie Ihnen doch die Chance, etwas an Ihrer Situation zu verändern. |



