Preisstudie 2009: Deutsche Verbraucher in der Krise preisbewusst wie nie
Die durch die Wirtschaftskrise weiter zunehmende Preissensitivität deutscher Konsumenten trifft 2009 auf veränderte Preis- und Aktionsstrategien führender Anbieter. Die OC&C Preisstudie 2009 verschafft Transparenz über die Preisposition und die Preiswahrnehmung der Kunden von 150 führenden Händlern aus fünf Ländern und sieben Branchen. In Summe flossen mehr als 60.000 Verbraucherbeurteilungen in die Auswertung ein. Das steigende Preisbewusstsein deutscher Konsumenten spiegelt sich in einer verbesserten Schätzgenauigkeit von Produktpreisen wider. Deutsche Verbraucher verschätzen sich bei der Beurteilung des Preisniveaus von Händlern nun um durchschnittlich 9,1 Prozent, verglichen mit 10,1 Prozent im vergangenen Jahr. Das ist ein neuer Rekordwert. Dennoch liegt Deutschland hierbei im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld. Am genauesten schätzen die Franzosen mit 4,7 Prozent Abweichung und die Niederländer mit 6,9 Prozent. In beiden Ländern hat sich das Preiswissen durch die Wirtschaftskrise im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls spürbar verbessert. Am ungenauesten schätzen die Briten mit 10,1 Prozent Abweichung und die US-Amerikaner mit 10,0 Prozent, wobei die Auswirkungen der Krise auf das Kaufverhalten der Kunden in den USA besonders stark sind. So hat sich die Schätzgenauigkeit der Amerikaner von 17,9 Prozent Abweichung in 2008 um 7,9 Prozent verbessert. Doch auch in Deutschland haben sich sowohl das Preiswissen der Konsumenten als auch die Preis- und Aktionsstrategien der führenden Anbieter in der Wirtschaftskrise verändert. „Die Wirtschaftskrise hat das Bewusstsein deutscher Konsumenten für Preise geschärft und die Schätzgenauigkeit verbessert“, erklärt Christian Ziegfeld von OC&C Strategy Consultants die Ergebnisse der Studie. Führende Händler konfrontieren die Kunden mit einem immer breiteren und intensiver genutzten Spektrum an Preis-, Produkt- und Serviceaktionen. Die Berater warnen jedoch vor allzu intensiven Preiskämpfen und einem überzogenen „Aktionismus“: „Die Preisaktionen verunsichern Kunden und setzen in vielen Sortimentsbereichen eine negative Preisspirale in Gang. In der Folge bringen viele Aktionen bereits heute nicht mehr den gewünschten Ertrag“, so Christian Ziegfeld. Die Schätzgenauigkeit in den Branchen variiert stark Frauen kaufen smarter und rationaler ein Wie Kampagnen und Kommunikation die Preiswahrnehmung beeinflussen Beispiele wie Media Markt zeigen, wie es durch einfache Preisbotschaften, günstige Fokusartikel und eine intensive Preiskommunikation gelingen kann, vom Kunden besonders günstig wahrgenommen zu werden. So wird Media Markt um 1,5 Prozent günstiger als der Marktschnitt und damit weiterhin als Preisführer empfunden, obwohl das reale Preisniveau 0,6 Prozent über dem Markt liegt. Media Markt hat somit seine Preisposition von 2,7 Prozent über dem Marktschnitt in 2008 um ganze 2,1 Prozentpunkte verbessert. Auch das Beispiel Praktiker zeigt, wie es u.a. durch die „20 Prozent auf alles außer Tiernahrung“-Aktionen und eine intensive Preiskommunikation in der Filiale gelingen kann, trotz eines durchschnittlichen Preisniveaus vom Kunden als günstig wahrgenommen zu werden. Trotz einer Verbesserung der Preise von 5,3 Prozent über dem Marktschnitt in 2007 auf 1,4 Prozent in 2008 und 0,3 Prozent über dem Schnitt in 2009, ist Praktiker weiterhin deutlich teurer als der günstigste Baumarkt Hornbach, dessen Preisniveau 8,0 Prozent unter dem Marktschnitt liegt. Dennoch nimmt der Kunde Praktiker weithin als Preisführer wahr und schätzt ihn um 3,5 Prozent günstiger als den Schnitt ein. Mithin wird Praktiker um 3,8 Prozent zu günstig wahrgenommen. Hornbach auf der anderen Seite wird trotz des real niedrigsten Preisniveaus vom Kunden nur als 0,5 günstiger als der Marktschnitt gesehen. Die nachlassende Sogwirkung der „20 Prozent auf alles außer Tiernahrung“-Aktionen hat bei Praktiker in 2008 und 2009 zu einer mehrfachen Veränderung der Preis- und Aktionsstrategie geführt und die Umsatz- und Ergebnisentwicklung belastet. Einmal mehr zeigt sich deutlich, dass der Wegfall einer Aktion – wenngleich wirtschaftlich sinnvoll – zunächst einen Umsatzverlust erzeugt. Im LEH hinterlässt eine veränderte Preiskommunikation bei Lidl deutliche Spuren: Die 2009 gestartete „Lidl lohnt sich“-Kampagne beinhaltet zwar eine klare Preisbotschaft, kommuniziert diese im Vergleich zu anderen Discountern sehr dezent. So nehmen die Kunden die Preise von Lidl um 2,4 Prozent unter dem Marktdurchschnitt – und damit um ganze 5 Prozentpunkte teurer als in 2008 – wahr, während die reale Preisposition weiterhin 16,0 Prozent unterhalb des Wettbewerbs angesiedelt ist. De facto ist Lidl zwar der mit Abstand günstigste der untersuchten Anbieter im LEH, in der Wahrnehmung der Konsumenten ist das Preisniveau bei Plus jedoch niedriger. Eine Untersuchung der Kundenpräferenzen zeigt sehr deutlich, dass der Kunde nicht ausschließlich nach niedrigen Preisen sucht. Während z.B. die Wahrnehmung im Bereich der Unterhaltungselektronik durch die Preise von Markenprodukten dominiert wird, kommt im LEH den Eigenmarken führende Bedeutung zu. Dabei halten Preis und Qualität der Eigenmarken einen gleich hohen Stellenwert. Für die Preiswahrnehmung der Kunden haben Eigenmarken im mittleren Preissegment, die den Qualitätsanspruch von Top-Marken haben, daher eine weiter zunehmende Bedeutung, während die Rolle der reinen „Preiseinstiegs-Eigenmarke“ abnehmen wird. Das heißt, dass sich die Rolle der Eigenmarken im LEH kontinuierlich weiterentwickelt. Waren sie vor fünf Jahren primär ein Werkzeug, um sich gegenüber Discountern zu positionieren, so haben sie sich mittlerweile zu einem vollwertigen Sortimentsbestandteil entwickelt, der auch in mittleren oder gehobenen Preislagen mitspielt. Auf der anderen Seite spielt die Kompetenz der Filialmitarbeiter im LEH keine entscheidende Rolle, während sie beispielsweise bei der Unterhaltungselektronik der zweitwichtigste Faktor ist.
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