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Wirtschaftskriminalität in Unternehmen steigt: Wer in Krisenzeiten die Prävention vernachlässigt, macht es Wirtschaftsstraftätern zu leicht

Wirtschaftskriminalität in Unternehmen steigt: Wer in Krisenzeiten die Prävention vernachlässigt, macht es Wirtschaftsstraftätern zu leicht  Die Zahl der Wirtschaftsstraftäter nimmt durch die Wirtschafts- und Finanzkrise zu. Das belegen zahlreiche Umfragen. Wie Unternehmen sich davor schützen können, steht im Fokus einer aktuellen Studie zur Wirtschaftskriminalität, die RölfsPartner und die Universität Leipzig unter Leitung von Prof. Dr. jur. Hendrik Schneider durchgeführt haben. Erstmals konnte durch Kombination von Einsicht in Gerichtsurteile und Auswertung von Praxisfällen eine wissenschaftlich fundierte Typologie erstellt werden. Aus dieser hat das Expertenteam des RölfsPartner Competence Centers Fraud - Risk - Compliance unter Leitung von Dieter John praxisnahe Empfehlungen zur Prävention und Untersuchung von Verdachtsfällen abgeleitet. Dieter Johns Fazit: "Gerade in der Wirtschaftskrise sollten Unternehmen verstärkt auf Prävention setzen." Denn der Krisentäter ist der am häufigsten auftretende Tätertypus. 

"Unsere Studie belegt, dass es den Wirtschaftsstraftäter so nicht gibt", sagt Professor Schneider. "Doch sie erklärt das Zusammenspiel von Tatgelegenheit und Persönlichkeitsdisposition des Täters, die zu einer typischen Täterkarriere führt." Ein typischer Fall: Ein bislang loyaler Mitarbeiter gerät in eine persönliche Krise, weil sein Arbeitsplatz bedroht ist. Er entdeckt in seinem Unternehmen zufällig eine Tatgelegenheit, die er ergreift - auch um seine Frustration zu kompensieren. Er wird nicht entdeckt, da aufgrund von Sparmaßnahmen die interne Revision abgebaut worden ist und wiederholt sein Tatmuster bei nächster Gelegenheit. Bestärkt durch die Erfolgserlebnisse sucht er bald gezielt nach Tatgelegenheiten.

Das Beispiel beschreibt die beiden Ebenen, auf denen die Studie neue Erkenntnisse liefert: Auf der situativen Ebene (Beziehung Täter-Tatgelegenheit) und bezüglich der personalen Risikokonstellationen (Persönlichkeit des Täters). So sind auf der situativen Ebene die Wirtschaftsstraftäter zu unterscheiden, die eine günstige Gelegenheit ergreifen, weil sie sich gerade bietet (Gelegenheitsergreifer) und diejenigen, die sie zielstrebig suchen (Gelegenheitssucher). Der Gelegenheitsergreifer ist der langjährige zuverlässige Mitarbeiter, der besonderes Vertrauen genießt und durch ein Kontrolldefizit zum Täter wird. Wird er vom Unternehmen nicht gestoppt, wird er möglicherweise zum Gelegenheitssucher, welcher mit krimineller Energie seine Tat plant.

Desweiteren wurde die personale Risikokonstellation untersucht. Professor Schneider: "Wir konnten vier Idealtypen herausarbeiten: Den Wirtschaftsstraftäter mit wirtschaftskriminologischem Belastungssyndrom ("den Chronischen"), den Krisentäter, den Abhängigen und den Unauffälligen. Der Krisentäter trat dabei am häufigsten auf. Persönliche oder berufliche Umbrüche sind oft die Auslöser für wirtschaftskriminelles Handeln."

Dieter John, Leiter des Competence Centers Fraud - Risk - Compliance und Vorstand der RölfsPartner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, sieht seine Erfahrungen aus der Praxis bestätigt: "Wirtschaftsstraftäter sind oft Menschen wie du und ich, die erst in einer kritischen Lebenssituation ihre Tat begehen." Durch die derzeitige Wirtschaftskrise müssen die Unternehmen sich auf eine steigende Zahl von Tätern einstellen - wenn sie nicht handeln. "Wer in einer Wirtschaftskrise die Umsatzvorgaben für den Vertrieb nicht anpasst oder die Kontrollen, etwa durch Abbau der internen Revision, reduziert, darf sich nicht wundern, wenn es in seinem Unternehmen zu Wirtschaftskriminalität kommt. Wer hingegen in der Krise auch für ein gutes Betriebsklima sorgt, schützt sein Unternehmen", rät Dieter John den Unternehmen.

Bislang waren unternehmerische Präventionsstrategien auf die Reduktion von Tatgelegenheiten fokussiert. Die in dieser Studie erarbeiteten Idealtypen lassen Rückschlüsse auf Motivation und Rechtfertigung der Täter zu. Hierdurch finden Unternehmen ganz neue Ansatzpunkte:

- Der Täter mit wirtschaftkriminologischem Belastungssyndrom ("Der Chronische") sucht die Tatgelegenheit. Er ist häufig ein Quereinsteiger mit wechselnden Jobs, der einen ausschweifenden Lebensstil "earning&burning money" finanzieren muss, welcher in besonderen Phasen entsteht (z.B. Midlife Crisis), und ist oft in arbeitsplatzbezogenen Subkulturen zu finden. Er ist der einzige Tätertyp, bei dem vermehrt Vorstrafen vorkommen. Er benötigt keine Neutralisierungsstrategie, hat kein Unrechtsbewusstsein und daher auch keine Geständnisbereitschaft. Durch Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses, von Originalzeugnissen oder Nennung von Referenzpersonen kann seine Einstellung aufgrund oft vorliegender Vorstrafen bereits verhindert werden.

  • Der Krisentäter ist eine aufstiegsorientierte Person mit kontinuierlicher Erwerbsbiografie, die durch ein besonderes berufliches oder privates Ereignis zum Täter wird. Er hat ein inadäquates Anspruchsniveau, weil er auch in der Krise seinen Lebensstil nicht anpasst. Bei ihm sind ausgeprägte Neutralisierungsstrategien festzustellen. Nach der Tat ist er meist geständig, weil ihn dies von seinen Schuldgefühlen entlastet.
  • Der Abhängige nutzt eine sich bietende Tatgelegenheit, wobei er oft weisungsunterworfen handelt und im Fall von Gefolgschaftsverweigerung Repressionen erwartet.
  • Der Unauffällige ist sozial unauffällig und hat allenfalls kritische Relevanzbezüge. Seine Tat erklärt sich nur aus der Tatgelegenheit. Bei dem Unauffälligen wie dem Abhängigen verhindern Prävention und angemessene Prozesskontrolle die Tatgelegenheiten.

RölfsPartner und die Universität Leipzig haben für ihre Studie "Der Wirtschaftsstraftäter in seinen sozialen Bezügen" alle im Jahre2007 von den drei Berliner Wirtschaftsstrafkammern verkündeten Urteile sowie zahlreiche anonymisierte Praxisfälle des RölfsPartner Competence Centers Fraud - Risk - Compliance hinsichtlich der Motivation der Täter und der Rechtfertigung ihrer Tat untersucht.Das untersuchte Sample deckt sich mit bisherigen wissenschaftlichen Studien: Der durchschnittliche Wirtschaftsstraftäter ist verheiratet, deutscher Nationalität, männlich, mit geringen Vorstrafen, überdurchschnittlicher Bildung und begeht seine Tat erst mit 44 Jahren, ist somit ein "latecomer to crime".

www.roelfspartner.de

 
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