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Mittelstand in der Krise - Management methodenlos

Mittelstand in der Krise - Management methodenlos  Dem deutschen Mittelstand fehlen die Methoden, die aktuellen Herausforderungen richtig anzugehen und strategische Chancen zu ergreifen. Das ergab die Studie „Strategisches Krisenmanagement im Mittelstand?“, die aus aktuellem Anlass von der Fachhochschule Südwestfalen und der Unternehmensberatung mbb consult durchgeführt wurde. 

  • Kapitalintensive Chancen werden zu wenig genutzt.
  • Entscheidungsschwäche verstärkt Zielkonflikt zwischen Innenfinanzierung und Kundenorientierung.
  • Unternehmen mit klarer Strategie bewältigen die Krise besser.

Die Umfrage zeigt, dass mittelständische Firmen die Möglichkeiten der Krise nicht richtig bewerten, so dass lebenswichtige Chancen ungenutzt zu verstreichen drohen. Gerade in der Krise bietet sich häufig die strategische Möglichkeit, sich besser am Markt zu positionieren, indem man einen angeschlagenen Wettbewerber übernimmt. Diese kapitalintensiven Chancen werden jedoch selbst von finanziell gut aufgestellten Unternehmen nur selten in Betracht gezogen.

Der Grund hierfür: Die Unternehmen prüfen ihre Optionen hauptsächlich nach finanzwirtschaftlichen Kriterien. Entscheidungsmethoden, die auch den strategischen Wert einer Chance berücksichtigen, sind dem Mittelstand vielfach unbekannt oder werden nicht genutzt. So haben 48 Prozent der Befragten noch nie vom Fünf-Kräfte-Modell nach Porter gehört. Das bedeutet, dass Chancen, die große Investitionen bedeuten, aufgrund der Kreditklemme schlichtweg durchfallen – auch wenn sie den hohen Finanzierungsbedarf rechtfertigen, weil sie der strategisch richtige Weg aus der Krise sind. Stattdessen werden trotz schwieriger Finanzierungslage insgesamt weniger profitable Maßnahmen ergriffen.

Ebenso problematisch: Mittelständische Unternehmen stecken in einem Zielkonflikt. Einerseits zwingt sie die Kreditklemme, sich von innen zu finanzieren. So bauen beispielsweise fast vier Fünftel Ihre Bestände ab, um gebundenes Kapital zu lösen. Andererseits müssen die befragten Firmen ihre Kunden halten und neue gewinnen, indem sie schnell produzieren und liefern. Dazu benötigen sie jedoch Vorräte.

Dieses Dilemma kann stark abgeschwächt werden: „Mit spezifischen Methoden wie der XYZ-Analyse lässt sich herausfinden, wo der Bestand schnell reduziert werden kann, ohne dass die Leistungsqualität leidet.“, erklärt Bozidar Radner, geschäftsführender Gesellschafter von mbb consult. Dieses Verfahren ist jedoch mehr als der Hälfte der Firmen unbekannt. Sie entscheiden aus dem Bauch heraus und gehen dadurch in der Krise ein unnötiges Risiko ein.

Ein weiteres Resultat der Studie verdeutlicht nochmals die Bedeutung strategischer Entscheidungen: Wie stark die Krise ein Unternehmen erfasst, hängt nicht allein davon ab, zu welcher Branche es gehört. Vielmehr ist der Teil der 56 befragten Firmen deutlich schwächer von der Krise betroffen, der eine tiefgehende strategische Planung betreibt. Den Herausforderungen kann damit effizienter begegnet werden.

Unter der zurückhaltenden Kreditvergabe der Banken hingegen leiden alle Unternehmen – unabhängig davon, wie sehr sie die Krise beschäftigt. Zudem sind 85 Prozent der Teilnehmer von Nachfrageeinbrüchen betroffen. Die gesunkene Zahlungsmoral der Kunden belastet in 64 Prozent der Fälle die Liquidität.

Die Umfrageergebnisse lassen nicht nur Rückschlüsse auf die Situation in der Krise zu, sondern sagen auch etwas über das Verhalten des Mittelstands im Vorfeld aus: Fast drei Viertel der befragten Unternehmen verhalten sich nun anders, wenn sie Entscheidungen fällen. Mehr als die Hälfte trifft sie schneller und fast ein Fünftel denkt, dass sie nun seltener falsch entscheiden, weil sie im Vorhinein genauer planen. Offensichtlich wurde also vor der Krise nicht so genau hingeschaut.

Auch die Befragten haben ihre Probleme erkannt: Fast zwei Drittel wollen in Zukunft auf mehr Analyseinstrumente zurückgreifen, um bessere Entscheidungen zu fällen.

Für die Studie befragte Andreas Berwe, Diplomand an der Fachhochschule Südwestfalen und Praktikant bei mbb consult, im Mai und Juni 2009 insgesamt 56 Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder mittelständischer Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Betreut wurde die Studie sowohl von Seiten der Fachhochschule durch Prof. Jörg Liese als auch von mbb consult durch den geschäftsführenden Gesellschafter Bozidar Radner.

 

Quelle: mbb consult

 
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